Covid-19: Österreich stellt Stufenplan vor

Ist Wiens Exit-Strategie eine Blaupause für Europa?

7. April 2020
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Nach dem Willen der österreichischen Regierung sollen nach den Osterfeiertagen kleine Geschäfte bis 400 qm sowie Bau- und Gartenmärkte wieder öffnen dürfen. Dabei gelten strengen Auflagen: Pro 20 Quadratmeter darf nur ein Kunde den Laden betreten. Gleichzeitig wies der Kanzler darauf hin, dass „nur wenn alle Menschen die aktuellen Maßnahmen befolgen, werde der Plan der Regierung für die Zeit nach Ostern auch zustande kommen.“

Besondere Schutzvorkehrungen

Weiter heißt es in Wien: „Ab 1. Mai ist es unser Ziel, dass alle Geschäfte, Einkaufszentren und Friseure unter besonderen Schutzvorkehrungen wieder öffnen. Alle anderen Dienstleistungen, Gastronomiebetriebe und Hotels werden frühestens mit Mitte Mai stufenweise und unter besonderen Sicherheitsvorschriften öffnen können. Die Entscheidung dazu, ob das möglich sein wird, wird Ende April getroffen.“

Schulen bleiben allerdings definitiv bis Mitte Mai geschlossen. Die Betreuung in den Schulen sei weiterhin sichergestellt und könne von allen genutzt werden, so Sebastian Kurz. Der Lehrbetrieb an den Universitäten werde in diesem Semester ausschließlich digital stattfinden. Prüfungen und Forschungstätigkeiten sollen aber durchgeführt werden. Der Stufenplan sieht zudem vor, dass Veranstaltungen in Österreich wenigstens bis Ende Juni nicht stattfinden werden. Über eine Regelung für den Sommer soll ebenfalls Ende April entschieden werden.

Österreichs Exit-Strategie: eine Blaupause für Europa?

Zumindest in der Alpenrepublik ist nun fürs Erste geklärt, wie eine Exit-Strategie aussehen könnte. Was europaweit bereits seit einiger Zeit diskutiert wird, nimmt für Österreich nun Form an. Doch: Niemand dürfe sich dem Trugschluss hingeben, an irgendeinem baldigen Datum X könne ein Schalter umgelegt werden und alles wäre wieder beim Alten, haben Virologen schon seit geraumer Zeit vor übertriebener Hoffnung gewarnt. Es gehe nur Schritt für Schritt. Aber der Ansatz der Regierung in Wien dürfte anderen durchaus als Vorlage dienen.

Es gibt regional, national und erst recht international allerdings zu große Unterschiede im Verlauf der Verbreitungskurven. Manche Länder wie Österreich waren früher betroffen und haben auch früher zu drastischen Maßnahmen gegriffen, andere erst deutlich später. In Österreich, Deutschland oder vielleicht auch der Schweiz mag ein Abflachen der Kurve tatsächlich bevorstehen. In anderen Ländern Europas (und der ganzen Welt) ist der zu erwartende Ausbruch noch nicht einmal vollumfänglich eingetreten. Entsprechend unterschiedlich werden auch die jeweiligen Zeiträume sein, in denen es zu Lockerungen der bereits angewandten, bzw. noch anzuwendenden Maßnahmen kommt.

An eine Lockerung der Reiserestriktionen ist in Europa noch nicht zu denken

Eines lässt sich an den vorsichtig formulierten Ankündigen der österreichischen Regierung schon jetzt erkennen: An eine Öffnung der Grenzen oder gar Aufhebung von Reiserestriktionen ist in Europa noch lange nicht zu denken. Vielmehr sollten wir uns alle langsam damit anfreunden, gänzlich neue Pläne für die Saison 2020 schmieden zu müssen. Denn fest steht bei dieser Pandemie nur eines: Solange keine wirksame Behandlung oder gar eine Immunisierung durch einen Impfstoff gegen das Coronavirus flächendeckend verfügbar ist, gilt eine Rückkehr zu einem wie auch immer dann aussehenden Alltag als ausgeschlossen. Vizekanzler Werner Kogler sagte dazu: „Wir müssen abwägen, was die nächsten Schritte sein sollen und dürfen in den Bemühungen nicht nachlassen.“

Auch Wien hat sich also bei aller Entschlossenheit mehrere Hintertüren offen gehalten. Viele der Maßnahmen gelten vorbehaltlich. Aktuelle Fallzahlen werden laufend neu bewertet. Wenn nötig, können Maßnahmen auch kurzfristig wieder zurückgenommen werden. Im mittlerweile bewährten Zwei-Wochen-Rhythmus wird neu entschieden. Es ist wohl eine erste Strategie, aber mit eingebauter Notbremse. 

Einen Plan gibt es für Österreich nun aber schon mal. Eine ähnliche Diskussion wird in Deutschland nicht lange auf sich warten lassen, auch wenn die Regierung in Berlin, Stand 6. April 2020, noch keine Termine oder konkrete Maßnahmen nennen mag.

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