Hoffnung auf Sommerurlaub in den Alpen

Touristisches Reisen ist allerdings noch nicht möglich. Doch für den Sommer gibt es Hoffnung …

15. Mai 2020
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Aktualisiert: 18.05.2020

In vielen Äußerungen zur Coronakrise herrscht weiter Verwirrung: Nach der Ankündigung von Innenminister Horst Seehofer zum Thema Grenzkontrollen am 14.05.2020 feierten zahlreiche Medien bereits eine nahezu grenzenlose Reisefreiheit für den anstehenden Sommer. Leider ist das alles längst nicht so einfach, wie mancher es gerne hätte. Wir haben uns die Regelungen in Deutschland, aber auch in den Alpenländern einmal ganz konsequent aus dem Blickwinkel von Individualreisenden angesehen und versuchen, die entstandene Verwirrung aufzulösen. 

Es gibt aktuell und wohl auch noch für einige Zeit einen großen Unterschied zwischen Pauschaltourismus und Individualtourismus. Für letzteren gelten rigoros die Corona-Regelungen jedes einzelnen Reiselands. Pauschaltouristen hingegen dürfen hoffen, bei Fluganreise mit Transfer zumindest ihr Hotel am Urlaubsort genießen zu können.

Grenzkontrollen an deutschen Außengrenzen zurückgefahren

Die Kontrollen an der Grenze zu Luxemburg werden ab diesem Wochenende wieder auf das übliche Maß zurückgefahren. Auch schon vor Corona gab es durchaus Stichproben-Kontrollen in einem etwa 30 Kilometer breiten Streifen um die Grenzen. Mit Dänemark wird eine ähnliche Regelung noch verhandelt. Die Grenzen zu Belgien und den Niederlanden waren nie wirklich geschlossen. Für Österreich, die Schweiz und Frankreich ist ein Ende der Kontrollen für den 15. Juni in Aussicht gestellt. Die Grenzen nach Tschechien und Polen bleiben vorerst geschlossen, weil diese Länder selbst ihre Grenzkontrollen noch nicht aufheben.

Es muss einen triftigen Einreisegrund geben

Das alles bedeutet nicht, dass uneingeschränkt gereist werden darf! Nach wie vor soll von touristischen Reisen abgesehen werden (oder sie sind sogar untersagt). Erst für Mitte Juni ist hierzu eine weitere Erklärung der zuständigen Minister in den Alpenländern geplant. Nicht zuletzt, weil noch um eine einheitliche Lösung für die EU als Ganzes gerungen wird. Die aktuellen Erleichterungen sind lediglich für Berufspendler, unabdingbare Geschäfts- und Privatreisen (etwa aus familiären Gründen) sowie den Warenverkehr gedacht. Es braucht also weiterhin einen „triftigen Einreisegrund“, es soll aber mehr Ausnahmen für Reisen aus familiären oder persönlichen Gründen geben.

Quarantäneregeln in der EU ausgesetzt, für Drittländer nicht

In den aufgeführten und vielen weiteren Ländern Europas sollen die bisher geltenden Quarantäneregeln wegfallen. Es galt eine je nach Land 7-14-tägige Quarantäne sowohl für die Einreise in, als auch bei der Rückreise aus diesen Ländern. Gleichwohl sollen die Quarantänebestimmungen bei Verdachtsfällen auf Covid-19 sowie bei Einreisen aus Drittländern (also außerhalb der EU, Schweiz und Skandinaviens) aufrecht erhalten werden. In Deutschland wird die Quarantäneregelung wohl in den nächsten Tagen entfallen. In Niedersachsen hatte ein Gericht die Regelung bereits am 12. Mai gekippt, in NRW wurde sie jetzt aufgehoben. Bayern hat allerdings angekündigt, sie mindestens bis zum 15. Juni zu verlängern.

Übrigens: Vor einem Reiseantritt sollte jeder unbedingt prüfen, ob seine Auslands-Reisekrankenversicherung bei einer Erkrankung an Covid-19 die Kosten übernimmt, da die Reise nach Beginn der weltweiten Reisewarnung des Außenministeriums (vom 17.03.2020) angetreten wurde. In diesem Fall besteht nämlich kein Versicherungsschutz. Außenminister Maaß verbreitet aber die Hoffnung, die Reisewarnung für zahlreiche EU-Länder in Reisehinweisen wandeln zu können. Dann greift auch die Versicherung wieder.

Von einheitlichen Regelungen noch weit entfernt

Grenzschließungen und -öffnungen habe immer zwei Seiten. So kann es sein, dass ein Land seine Grenze öffnet, für das angrenzende Land aber noch so strikte Einreisebestimmungen gelten, dass freies Reisen trotzdem kaum möglich ist. Genau das ist in der gegenwärtigen Phase der Lockerung der Fall. Und selbst nach dem 15. Juni, an dem zumindest die Kontrollen zu unseren Nachbarländern wegfallen sollen, wird freies Reisen im gesamten Schengenraum, der 26 europäische Länder umfasst, auf nicht absehbare Zeit kaum ungehindert möglich sein.

Was können wir für den Sommer 2020 erwarten?

In Anbetracht der teilweise völlig unterschiedlichen Regelungen in einzelnen Ländern, lässt sich derzeit kaum eine belastbare Vorhersage treffen, welche Länder und vor allem wann wieder zu bereisen sind. Anderslautende Aussagen von Medien, Touristikern und teilweise auch der Politik entbehren unseres Erachtens jeglicher Grundlage und sind manchmal reines Wunschdenken. Bevor wir uns einzelnen Ländern widmen, möchten wir ein paar grundsätzliche Empfehlungen abgeben: 

  1. Plant bis auf weiteres keine Reisen ins europäische Ausland, ohne euch zuvor über die zum Reisezeitpunkt gültigen Regelungen aller durch- und bereisten Länder zu informieren. Einen Überblick kann man sich auf der ständig aktualisierten Seite des Auswärtigen Amts verschaffen.
  2. Wie schon in den deutschen Bundesländern gibt es auch in allen Ländern Europas teilweise ziemlich unterschiedliche Regelungen. Wer im Sommer/Herbst spontan aufbrechen möchte, sollte sich unbedingt tagesaktuell über den jeweiligen Stand informieren. Hilfreich sind hier dazu die jeweiligen Webseiten der deutschen Auslandsvertretungen (Botschaften) der Durchreise- und Zielländer, die beim Auswärtigen Amt gelistet sind.
  3. Verzichtet auf Reisen in größeren Gruppen. Die Chancen etwa für Unterkünfte etc. stehen am besten, wenn man allein oder zu zweit, vielleicht noch mit einer Handvoll Freunden, unterwegs ist. Camping kann eine gute Alternative sein, weil das „social distancing“, das im Ausland teilweise rigide überwacht und mit hohen Bußgeldern durchgesetzt wird, hier quasi zum Konzept gehört. In den meisten beliebten Urlaubsländern gehören Campingplätze denn auch mit zu den ersten Einrichtungen die wieder öffnen dürfen. Rund 25.000 Plätze gibt es in Europa. Gut 10.000 davon vermittelt ASCI, der größte Anbieter mit 55 Jahren Erfahrung, auf der Eurocamping-Webseite, auf der auch auf länderspezifische Corona-Infos eingegangen wird. Hilfreiche Ausrüstung gibt es im Tourershop.

Zur Situation in den Alpenländern

In Deutschland kann jedes Bundesland selbst entscheiden, wie es mit dem Tourismus in Zeiten von Corona umgeht. Zunächst soll das Gastgewerbe unter Auflagen bis zum 22.05. öffnen. Hotels und Pensionen sollen bis Ende Mai wieder Touristen empfangen dürfen, Campingplätze teilweise früher. Grundsätzlich gelten für Urlauber die Vorgaben zu Abstandsregelungen und Maskenpflicht. 

In Bayern dürfen Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze erst zum 30.05.2020 (Pfingsten) wieder öffnen. Auch Schlösser und Freizeitparks sollen Besuchern offen stehen. Schwimmbäder und Wellnessbereiche der Unterkünfte müssen allerdings geschlossen bleiben.

Österreich dürfte wohl noch am ehesten als Reiseziel in diesem Jahr in Frage kommen. Die Gastronomie öffnet gerade, Ende Mai folgen Hotels, Pensionen und Campings unter strengen Auflagen. Im öffentlich Raum bleiben bis auf weiteres sowohl die Abstandsregel, als auch die Maskenpflicht bindend. Wenn Mitte Juni die Grenzen öffnen, soll auch Reiseverkehr wieder möglich sein. Bisher sind (Stand 16.05.) Einreisen unter bestimmten Gründen wieder erlaubt, auch persönlichen. Touristischer Verkehr ist aber noch untersagt.

In Slowenien benötigte es zur Einreise eines negativen molekular-biologischen Tests auf SARS-CoV-2, der nicht älter als 4 Tage sein durfte. Zudem bestand eine grundsätzliche Quarantänepflicht bei Einreise. Das wurde am 15.05. aufgehoben. Wie groß die Verunsicherung offenbar auch bei den Entscheidern ist, zeigt die Tatsache, dass heute (18.05.) die allgemeine Grenzöffnung wieder zurückgenommen wurde. Es können wohl nur Bürger jener EU-Länder ohne Einschränkungen einreisen, mit denen es bilaterale Vereinbarungen gibt. Die Liste der Länder steht aber noch nicht fest. Bis dahin sind touristische Reisen wohl nicht möglich. Dennoch: Das Land orientiert sich bei seinen Entscheidungen neben den eigenen Statistiken vor allem auch an der Lage in den Nachbarländern und könnte daher gemeinsam mit Österreich ein lohnendes Saisonziel in 2020 sein.

In der Schweiz sind Hotels und Pensionen unter strengen Auflagen geöffnet, Campingplätze aber erst ab dem 7. Juni. Auch hier ist die Grenzöffnung für Mitte Juni vorgesehen. Bisher sind (Stand 16.05.) Einreisen unter bestimmten Gründen wieder erlaubt, auch persönlichen. Touristischer Verkehr ist aber noch untersagt. Detaillierte Informationen zum weiteren Vorgehen sind aber selbst auf den offiziellen Seiten kaum zu finden.

Die Einreise nach Frankreich könnte ab Mitte Juni wieder möglich sein, denn auch die Grenzen zu Frankreich sollen dann wieder öffnen – mit ähnlichen Regelungen wie für die Schweiz und Österreich. Auch sollen Gastronomie und Campingplätze bis dahin unter allerdings sehr strengen Auflagen wieder öffnen. Hotels mussten nie schließen, die meisten haben es aber trotzdem getan. Die weitere Entwicklung ist kaum abzusehen, da in Frankreich wesentlich strengere Auflagen gelten als etwa bei uns. Ein Blick auf die Departements verdeutlicht die Lage. Fast der gesamte Nordosten des Landes und damit auch die deutsche-französische Grenze fallen unter die „rote Zone“, in der das Virus immer noch grassiert. Für die französischen Alpen und die Côte d’Azur könnten Lockerungen aber früher möglich sein, da die Departements dort derzeit alle auf „grün“ stehen. Kombiniert mit einer Anreise über die Schweiz dürfte da im Sommer noch was möglich sein.

In Italien scheint noch immer Chaos zu herrschen. Während die Zentralregierung in Rom an strengen Maßnahmen festhält, will die autonome Provinz Südtirol Hotels und FeWos ab 25.05. öffnen lassen, wogegen Rom Klage einreichen will. In der Lombardei, der am schwersten betroffenen Provinz des Landes, herrscht weiterhin Ausnahmezustand. Nun kündigt die Zentralregierung plötzlich die Öffnung der Grenzen zum 3. Juni an. Fest steht: Campingplätze können landesweit ab 16. Mai wieder öffnen. Die touristische Einreise ist und bleibt aber noch untersagt. Außerdem sehen derzeit die angrenzenden Nachbarn Frankreich, Schweiz, Österreich und Slowenien davon ab, die Grenzen nach Italien wieder zu öffnen. Hier ist nur wenig Besserung in Sicht, sodass die beliebten Dolomiten dieses Jahr wohl erst spät als Ziel in Frage kommen.

Alles unter dem Vorbehalt rückläufiger Fallzahlen

Alle hier mit einem Termin aufgeführten Pläne zu den einzelnen Reisebestimmungen sind grundsätzlich unter Vorbehalt zu sehen. Sollten sich Ausbreitung oder Fallzahlen in einzelnen Ländern ändern, können die Lockerungen ganz schnell wieder kassiert werden. Wer dann in einem solchen Land unterwegs ist, kann sich schnell mit Problemen konfrontiert sehen, was Unterkunft, Verpflegung und Rückreise angeht. Es bleibt für die gesamte Saison 2020 also dabei abzuwägen, ob man unter solchen Voraussetzungen überhaupt reisen möchte. Campen im eigenen Land und Wander- oder Radtouren in die Umgebung können schließlich auch Spaß machen – auch wenn sie kein Ersatz für eine echte Alpenreise sind. Doch wir lassen den Kopf nicht hängen: Schau ma moi, dann seng mas scho!

Quellen:

  1. https://www.auswaertiges-amt.de/de/ReiseUndSicherheit/reise-und-sicherheitshinweise
  2. https://www.auswaertiges-amt.de/de/ReiseUndSicherheit/deutsche-auslandsvertretungen
  3. https://www.eurocampings.de
  4. https://www.adac.de/news/coronavirus/
  5. https://www.adac.de/news/corona-deutschland-grenzen/
  6. https://www.zeit.de/politik/2020-05/sommerurlaub-europa-grenzoeffnungen-tourismus-reisen-eu-2020-faq#was-ist-mit-den-quarantaeneregelungen
  7. https://www.fnp.de/frankfurt/urlaub-corona-coronavirus-deutschland-sommer-bayern-italien-frankreich-tuerkei-mallorca-13758385.html
  8. https://www.reiseversicherung.de/de/service/corona-virus.html

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